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Was sind eigentlich Erosionen?

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Was sind eigentlich Erosionen?

Neben Karies macht eine neue „Zahnkrankheit“ von sich Reden, die bei Zahnärzten immer häufiger Sorgenfalten auslöst: Zahnerosionen.

Ausgerechnet die häufig „gesundheitsbewussteren“ Lebensgewohnheiten bedeuten für die Zahngesundheit ein Problem. Säurehaltige Lebensmittel, kohlensäurehaltige Limonaden und Sportgetränke, Fruchtsäfte, aber auch „saures Aufstoßen“ verursachen Säureangriffe, die den Zähnen an die Substanz gehen. „Zahnerosionen werden durch chemische Einflüsse (Säuren) ohne die Beteiligung von Bakterien ausgelöst. Sie bedeuten einen langsam fortschreitenden Verlust des Zahnschmelzes“, erklärte Prof. Adrian Lussi von der Universitätsklinik für Zahnerhaltung, Präventiv-, und Kinderzahnmedizin in Bern (Schweiz) das „wachsende Problem Erosionen“.

Nach seiner Meinung werde – trotz der zunehmenden Bedeutung dieses Problems, das einen irreversiblen Verlust der Zahnsubstanz bedeute – der Zahnerosion im Vergleich zur Karies noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Anteil von Softdrinks und Fruchtsäften am totalen Getränkekonsum liege in Europa bei nicht alkoholischen Getränken bereits über 50 Prozent und mache pro Person und Jahr mehr als 40 Liter aus. Anlässlich eines Pressegesprächs der GSK GlaxoSmithKline (Brühl) erläuterte der Wissenschaftler nicht nur die Ursachen von Zahnerosionen, sondern auch, worauf man achten muss, um den Verlust von Zahnschmelz zu vermeiden.

Ohne Beteiligung von Bakterien

Prof. Lussi beschreibt die Zahnerosionen als oberflächlichen Zahnhartsubstanzverlust, der durch chemische Einflüsse (Säure) ohne Bakterienbeteiligung verursacht wird. „Damit unterscheidet sich die Zahnerosion in ihrer Entstehung entscheidend von der bakteriell bedingten Karies“, betont der Schweizer Wissenschaftler. Die Ursachen der Erosion seien zum einen äußere Faktoren wie säurehaltige Lebensmittel und Getränke, bestimmte Medikamente, aber auch Zahnpflegegewohnheiten.

„Zum anderen gibt es verschiedene innere Faktoren, die zu den säurebedingten Schmelzschäden führen. Dazu zählen Erkrankungen, die einen häufigen Kontakt der Zähne mit Magensäure zur Folge haben, z.B. bei Magersucht und Bulimie mit häufigem Erbrechen, aber auch chronische Magen-Darm-Störungen mit Rückfluss von magensäurehaltigen Speisebrei in die Speiseröhre (Reflux)“.
Im Anfangsstadium werden Zahnerosionen oft nicht bemerkt, weil der Zahnschmelz sich flächenhaft auflöst und der Zahnarzt noch keine Erweichung der Zahnoberfläche feststellen kann. „Erst im weiteren Verlauf zeigen sich Dellen und Stufen. Die Zahnhöcker auf den Kauflächen flachen ab, die Fissuren verschwinden und die Zähne wirken wie abgeschmirgelt“.

Auch Milchzähne sind gefährdet

Erosionsdefekte können bis ins Dentin, der empfindlichen Kernsubstanz des Zahnes, gehen, so Prof. Lussi. Nach seinen Untersuchungen sind bereits 30 bis 40 Prozent der 25- bis 30- Jährigen Erwachsenen von Erosionen an den Kauflächen betroffen. Aber auch Kinderzähne seien gefährdet, betont der Schweizer Wissenschaftler, da die Schmelzdicke von Milchzähnen geringer ist als die von bleibenden Zähnen. „Gerade bei Kleinkindern, die häufig während der Nacht säurehaltige und süße Getränke aus Nuckelflaschen trinken, kann es neben der Kariesbildung zu massiven erosiven Zahnhartsubstanzdestruktionen kommen“.

Falsche Zahnputztechnik und „schmirgelnde“ Zahnpasten

Dass die Zähne nicht nur unter Säurehaltigem, sondern durch das sofort anschließende Zähneputzen gleich doppelt leiden, machte Prof. Lussi ebenfalls klar, denn „häufig überlagern sich erosive und abrasive Prozesse“. Als Nachteil hat sich nämlich die mechanische Beanspruchung durchs Zähneputzen nach dem Genuss säurehaltiger Nahrungsmittel – und auch nach Erbrechen – erwiesen: Die vorgeschädigte und durch Säure aufgeweichte Zahnhartsubstanz wird stark abradiert. „Durch falsche Zahnputztechnik oder stark abrasive („Schmirgeleffekt“) Zahnpasten wird entblößtes Zement abgetragen bis das Dentin freiliegt“. Fast jeder zweite Erwachsene ist bereits von den durch „falsches“ Zähneputzen entstandenen so genannten „keilförmigen“ Defekten betroffen.

Gut zu wissen

  • Der Schutzfaktor des Speichels spielt bei der Erosionsentstehung eine wichtige Rolle: Speichel neutralisiert und verdünnt die Säuren und umgibt den Zahn auch mit einem schützenden „Häutchen“ – der Pellikelschicht. Tipp: Das Kauen eines zahnfreundlichen Kaugummis (mit Zahnmännchen-Symbol, d.h. ohne Zucker und Fruchtsäuren!) erhöht den Speichelfluss.
  • Die Erosivität von Getränken oder Nahrungsmitteln hängt nicht nut davon ab, wie häufig sie konsumiert werden, sondern u.a. auch von ihrem pH-Wert (Säure-Wert), ihrem Fluorid-, Kalzium- und Phosphatgehalt. Tipp: Trotz niedrigem pH-Wert (pH ca.4) führt Joghurt dank seiner hohen Kalzium-Konzentration nicht zu Erosionen.
  • Die Aufnahmeart (schluckweise, saugend, mit/ ohne Trinkhalm) bestimmt das Risiko des Säureangriffs. Tipp: Kinder so früh wie möglich von der „Nuckelflasche“ entwöhnen und an die Trinktasse gewöhnen.
  • Risikofaktor: häufiges Erbrechen, sowie chronische Magen-Darm-Störungen mit Reflux. Tipp: Nach Erbrechen nur den Mund ausspülen, evtl. Mundwasser benutzen und mit dem Zähneputzen 30 bis 60 Minuten warten.
  • Risikofaktor: Medikamentenkonsum. Tipp: Informieren Sie Ihren Zahnarzt über regelmäßige Medikamenteneinnahme.
  • Risikofaktor: Verminderte Speichelproduktion während der Nacht. Der Zahnkontakt mit säurehaltigen Getränken kann verstärkt zu Erosionen führen. Tipp: Mineralwasser statt Obstsaft oder Fruchtschorle.
  • Risikofaktor: Falsche Zahnhygienegewohnheiten. Tipp: Nach säurehaltigen Lebensmitteln erst nach ca. 30 bis 60 Minuten Zähneputzen. Vom Zahnarzt/ Prophylaxeteam richtige Zahnputztechnik zeigen und Zahnbürste/ Zahnpasta empfehlen lassen.